VOLL:MILCH

VOLL:MILCH

 

VOLL:MILCH ist ein 2011 gegründetes Hildesheimer Theaterkollektiv. In unseren unzeitgemäßen Arbeiten, denen immer ein politischer Diskurs sowie der Aufbau einer szenischen Argumentation zu Grunde liegen, forschen wir mit den Mitteln der Montage an der Schnittstelle von Demonstration und Repräsentation im postdramatischen, performativen Theater. VOLL:MILCH besteht aus fünf Gründungsmitgliedern und arbeitet jeweils in verschieden großen Besetzungen zusammen. Seit dem Jahr 2016 erhält VOLL:MILCH eine über drei Jahre angelegte Konzeptionsförderung des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur. Außerdem besteht seit Beginn des Jahres 2016 eine auf drei Jahre angelegte Kooperation mit dem Theater im Pavillon Hannover.

 

Im Frühjahr 2016 hat VOLL:MILCH mit „terreur“ ihren auf mehrere Jahre angelegten Monster-Zyklus gestartet. Die Produktion, welche die Terrorismen unserer Zeit unter dem Aspekt der Kom­munikation untersucht, hatte am 20. April Premiere und wurde daraufhin mit dem Preis der Bürgerstiftung Hildesheim 2016 in der Kategorie Junge Profis ausgezeichnet. Der Monster-Zyklus soll unsere Jetztzeit der anhal­tenden Krise als Zeit der Monster aus sozialer, politischer und ästhetischer Perspektive künstlerisch untersuchen. Im Herbst 2016 kam der zweite Teil des Zyklus, „MONSTER ERLÖSER“, ein Theaterstück über die Grenzzonen unserer Gesellschaft und die Monster, die dort wohnen, am Theater im Pavillon zur Premiere.

 

Im Jahr 2015 hat sich VOLL:MILCH erfolgreich den sogenannten Experten des Alltags gewidmet und zwei Stücke erarbeitet. Die Produktion „Refugee Homecare : Flüchtige Heimatpflege : أديهو فرصة“, die am 3. Juli 2015 Premiere hatte und zusammen mit vier Experten des Asylalltags erarbeitet wurde, erhielt von der Bürgerstiftung Hildesheim den Sonderpreis für Soziokulturelle Arbeit und wurde für das Körber Studio Junge Regie 2016 nominiert. VOLL:MILCH tritt in diesem Stück, das sich mit der Isolation von Flüchtlingen in der deutschen Gesellschaft auseinander setzt, ausschließlich über einen One-Shot-Film, der auf drei Großleinwänden projiziert wird, in Erscheinung. Auf der Bühne agieren vier sudanesische Flüchtlinge. Zusammen wird dem revolutionären Potential von Lücken, Zwischenräumen und Randgebieten nachgegangen. Das Stück war in Hildesheim, im Pavillon Hannover und am LOT-Theater in Braunschweig zu sehen.

 

Am 23. Januar 2015 hatte „ “ Premiere. Für „ “ hat VOLL:MILCH mit drei ExpertInnen der Deutschen Gebärdensprache zusammen gearbeitet. Das Stück richtet sich an ein hörendes und gehörloses Publikum und forscht nach Mechanismen von Repräsentation und Autorschaft. Auf der Bühne standen hörende, gehörlose und gebärdensprach-kompetente Menschen. „ “ wurde zum transeuropa Festival 2015 eingeladen und kam dort im Mai 2015 zur erneuten Aufführung.

 

Im Herbst 2013 tourte VOLL:MILCH mit „Ein Performer findet die roten Schuhe, stellt sich vors Theater und klopft an.“ von der Ausbildungsstätte Hildesheim über das Institut für Angewandte Theaterwissenschaft in Gießen nach Frankfurt am Main. Der Abend war eine szenische Reaktion auf die „Evaluation der Freien Szene in Frankfurt am Main“. In Frankfurt kooperierten wir mit den Landungsbrücken Frankfurt und mit dem Theater Willy Praml auf Naxos. In letzterem fand das Finale der Tour statt, bei dem VOLL:MILCH neun Vertreter aus Politik, Freier Szene, Lehre und Kulturpolitik zu einer Podiumsdiskussion einlud, diese selbst moderierte und inszenierte. Die Reise haben wir dokumentiert und in einem Artikel zusammengefasst, welcher 2017 in der Publikation „Theatermachen als Beruf – Hildesheimer Wege zur Bühne“ (Hrsg. Wolfgang Schneider, Julia Speckmann) im Verlag Theater der Zeit erschienen ist.

 

Außerdem war VOLL:MILCH zu einer Diskussion der im „Ein Performer findet...“ entstandenen Modellszene beim Fringe von Kaltstart 2015 in Hamburg zu Gast. 2013 wurde VOLL:MILCHs „Also gut mein Sohn, dann halt mal deinen Schwanz fest.“ für die theatrale Auseinandersetzung mit dem Thema Afrika im Rahmen des Schredderfestivals am Theaterhaus Hildesheim mit dem Jurypreis ausgezeichnet und zu einem Gastspiel ans LOT Theater Braunschweig eingeladen.

 

Außerdem hat VOLL:MILCH mit dem „Nachtbar“ Format des TfN (Theater für Niedersachsen) kooperiert sowie Michel Decars mehrfach ausgezeichneten Text „Jonas Jagow zerstört Berlin“ für die „BELLA triste – Zeitschrift für junge Literatur“ produziert.

 

Wir erarbeiten alle Produktionen kollektiv, sowohl die Texte wie auch die Konzepte zu unseren Abenden werden gemeinsam entwickelt, und gemeinsam stehen wir dann auch auf der Bühne. Die Arbeiten von VOLL:MILCH wurden mehrfach ausgezeichnet und zu diversen Festivals eingeladen (darunter Körber Studio Junge Regie, transeuropa festival). Seit der Gründung von VOLL:MILCH gehen wir der Frage nach, wie wir als PerformerInnen auf der Bühne Sprache, Repräsentation und politische Wirkmächtigkeit verhandeln können. Zum einen suchen wir dabei neue Formen im theatralen, künstlerischen Umgang mit diesen Themen, zum anderen verstehen wir uns als politisches Kollektiv, das eine Aussage, eine klare Erzählung, transportieren will.

 

DIE PERFORMER

 

Paula Löffler (geboren 1989) wirkte über zehn Jahre lang als Tänzerin im Jungen Ensemble des Tanzstudios Johanna Knorr. Sie studierte bis Sommer 2012 Philosophie-Künste-Medien an der Universität Hildesheim. Seit Herbst 2012 ist sie Studentin der Freien Kunst in Braunschweig und arbeitet außer im Theater in der Zeichnung, Videoperformance und Installation. (Gründungsmitglied VOLL:MILCH)

 

Ekaterina Trachsel hat von 2010 bis 2017 Szenische Künste (B.A.) und Inszenierung der Künste und der Medien (M.A.) in Hildesheim studiert und erfolgreich abgeschlossen. Seit April 2017 ist sie Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Hildesheim und promoviert und lehrt dort im Bereich Theaterwissenschaft. Sie wurde 1989 in Zürich geboren, wo sie eine klassische Tanzausbildung absolviert hat. Sie hat unter anderem bei Produktionen von Bernhard Mikeska, Auftrag:Lorey und Andreas Kriegenburg mitgewirkt. Sie war Assistentin am Schauspiel Frankfurt und hat im Rahmen von MITOS 21 in Düsseldorf produziert. Als Tanzpädagogin und Choreographin war sie 2012 für einen Charaktertanz-Workshop in Guatemala City engagiert. Im Sommer 2016 war sie als Dozentin im Rahmen eines interdisziplinären Workshops zum Thema Kritik (Leitung: Patrick Frank) bei den Darmstädter Ferienkursen (48. Internationale Ferienkurse für Neue Musik) tätig. (Gründungsmitglied VOLL:MILCH)

 

Stephan Mahn (1988) schloss 2015 das Studium der Szenische Künste in Hildesheim ab. Im Herbst 2017 wird er den Master Inszenierung der Künste und der Medien mit einer Arbeit zur Textproduktion und Autor_innenschaft im zeitgenössischen Performance-Theater abschließen. Eigene Regiearbeiten waren in der TheaterFabrik Gera, an der SCHOTTE in Erfurt sowie am Theater junge Generation Dresden zu sehen. 2012 erarbeitete er mit drei weiteren Hildesheimer Studenten eine Produktion für die Bürgerbühne Dresden. Seit 2013 zeichnet er sich für das Sommertheater der Spiel- und Theaterwerkstatt Erfurt e.V. in Zusammenarbeit mit dem Kinder- und Jugendpfarramt der EKM verantwortlich. 2014 assistierte er dem Kollektiv SKART auf Kampnagel. Er ist Gründungsmitglied der Geheimen Dramaturgischen Gesellschaft, einem Zusammenschluss von professionellen Gesprächsanstifter_innen, die auf Theaterfestivals Räume für Aktionen und Gespräche entwerfen. (Gründungsmitglied VOLL:MILCH)

 

Hilde Armin Schindler (*1989 in Kassel als Birk Armin Schindler) studiert seit 2010 Szeni­sche Künste in Hildesheim. In seinem Studium produzierte er Kindertheater für Zuschauer und Zuschauerinnen ab 18 Jahren und war als Solo­-Performer tätig. In den Jahren 2015 und 2016 begann er die Produktionsleitung bei VOLL:MILCH mit Sebastian Rest zu über­ nehmen. Außerdem arbeitete er bei der Pyrotechnikfirma Fire, Ice and Magic und schloss eine Ausbildung als Bühnenpyrotechniker ab. Diese Expertise bringt er, oft in Verbindung mit Mitteln der Zauberei, in das Kollektiv. Im Jahr 2017 hat er sein Studium wieder aktiv aufgenommen und wird dies nun mit einer Abschlussarbeit zu einer Moral der Zwischenlö­sungen abschließen. (Gründungsmitglied VOLL:MILCH)

 

Sebastian Rest (geboren 1985) studierte 2006-2008 Kunstgeschichte und Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaften in Frankfurt am Main. Von 2010 bis 2015 studierte er Szenische Künste. Er hat als Regieassistent an der Kammeroper Frankfurt gearbeitet und war Gründungsmitglied der Frankfurter Band „Locase“. Neben kleineren Filmprojekten und anderen Theaterarbeiten hat er im August 2012 zusammen mit drei weiteren Hildesheimer Studenten eine Produktion für die Bürgerbühne Dresden umgesetzt. (Gründungsmitglied VOLL:MILCH)

 

GÄSTE

 

Judith Philippa Franke (geboren 1986) hospitierte ein Jahr in der Theaterpädagogik des TdJ in Wien und studierte Theater- Film- und Medienwissenschaften. 2007 ging sie nach York City und assistierte Richard Foreman am „Onthological-Hysteric Theatre“, bevor sie als Theaterpädagogin am Kreativhaus e.V. in Berlin arbeitete. Seit 2008 studiert sie Szenische Künste und ästhetische Praxis in Hildesheim, sowie Puppenspiel (University of Exeter). Judith ist Mitbegründerin des Performancekollektivs Theater_in sowie eines Stadtspielkollektivs, war 2012 Stipendiatin des Westwind „Next Generation“ und produzierte u.a. im Rahmen der „neuen Linie“ am Helios Theater, Hamm.

 

Lena Ures (geboren 1989) studierte bis Sommer 2012 Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis an der Universität Hildesheim und seit Herbst diesen Jahres Sprachkunst in Wien. Sie ist Mitglied des Berliner Künstlerkollektivs „eclectic electric collective“, mit dem sie diesen Sommer am Festival „Steirischer Herbst“ in Graz teilgenommen hat.

 

Maissara M. Saeed (geboren 1974) flüchtete 2010 aus dem Sudan und hat im September 2012 politisches Asyl in Deutschland erhalten. Im Sudan war er medizinischer Assistent, musste seine Stelle jedoch auf Grund seiner oppositionellen Haltung aufgeben und flüchete daraufhin aus seiner Heimat. Seither ist er Aktivist und leistet Aufkärungsarbeit (auch auf internationalen Tagungen) in den Bereichen Gesundheit im Sudan sowie Flüchtlings- und Asylrecht in Deutschland. Er ist Mitbegründer der German Sudanese Association For Development.

 

Hassan A Bakar Omar ist gelernter Automechaniker und ist vor acht Jahren aus dem Sudan geflohen. Er ist Koch im Flüchtlingscamp am Weißekreuzplatz in Hannover. Hassan ist Performer in Refugee Homecare : Flüchtige Heimatpflege : أديهو فرصة.

 

Ahmed Haron ist Performer in Refugee Homecare : Flüchtige Heimatpflege : أديهو فرصة. Er ist 21 Jahre alt und plant zur Zeit seine Ausbildung zum Straßenbahnfahrer. Er wartet seit zwei Jahren auf seine Anerkennung als Flüchtling.

 

Haitham Mansor ist Schlagzeuger der Camp-Band S.P.Music in Hannover. Er ist Performer in Refugee Homecare : Flüchtige Heimatpflege : أديهو فرصة und plant eine Weiterbildung zum Maler oder Innenausstatter. Haitham ist aus seiner Heimat, dem Sudan, geflohen und wartet seither auf seine Aufenthaltsgenehmigung.

 

Jonas Feller (1989) studiert seit 2014, nach Abschluss des Studiums der Szenischen Künste an der Universität Hildesheim, den Masterstudiengang Inszenierung der Künste und der Medien. Jonas ist Gründungsmitglied des Theater-Kollektivs Mennerdy, sowie dem Festivalgesprächs und -beobachtungs Teams Geheime Dramaturgische Gesellschaft. Er arbeitet zudem am Theaterhaus Hildesheim, gibt Workshops, macht in diversen Konstellationen Theater und beschäftigt sich zur Zeit mit Spielanordnungen und Regelsystemen im Theater.

 

Jörg Apel war von 1983 bis 2011 Modellbauer, bis er 2011 wegen einer Erkrankung an der Hand seinen Beruf aufgeben musste und eine neue Berufsausübung zum Lehrer/Dozent für Deutsche Gebärdensprache macht. Jörg Apel ist seit seiner Geburt gehörlos. Für das Projekt „ “ steht er als Experte auf der Bühne.

 

Marion Jansen ist hörende und gebärdensprachkompetente Förderschullehrerin am Landesbildungszentrum für Hörgeschädigte Hildesheim. Zusammenm mit Jörg Apel und Saskia Zimmermann steht sie für das Projekt „ “ als Expertin auf der Bühne.

 

Saskia Zimmermann ist ausgebildete Logopädin und studiert seit Winter 2014 Bildungswissenschaften in den Gesundheitsfachberufen Ergotherapie, Logopädie, Physiotherapie an der HAWK in Hildesheim. Sie arbeitete im Kontext eines Praktikums während ihrer Ausbildung in Leipzig mit hörgeschädigten Menschen zusammen, und erlernte hierfür Grundkenntnisse der Deutschen Gebärdensprache. Sie wirkt bei „ “ als Expertin mit.

 

Lara Liv Anderegg aus Zürich wirkte bei der Produktion "HERGESTELLT IN FRANKREICH : WURDE IN FRANKREICH HERGESTELLT" (State Of The Art 2011) mit, aus der die Gründung des heute bestehenden Kollektivs hervorging.

 

Claire Bouillet wirkte bei der Produktion "HERGESTELLT IN FRANKREICH : WURDE IN FRANKREICH HERGESTELLT" (State Of The Art 2011) mit, aus der die Gründung des heute bestehenden Kollektivs hervorging.

 

 

MITARBEITENDE

 

Lisa Großmann (geboren 1987) ist seit Oktober 2015 Kollegiatin am Graduiertenkolleg „Das Wissen der Künste“. Sie studierte an der Universität Hildesheim und schloss mit einer Arbeit zu Probenprozessen für partizipative Theaterformen ab. Im Mittelpunkt ihrer aktuellen Forschung steht das Wissen, das Theaterproben benötigen, hervorbringen und festigen. Neben der Dissertation arbeitet sie regelmäßig künstlerisch als freie Dramaturgin, Assistentin, Kostümbildnerin und Theatermacherin mit den Performancetheatergruppen Interrobang und VOLL:MILCH zusammen.

 

Annika Henrich (geboren 1990) assistierte am Stadttheater Gießen und leitete eigene Inszenierungen mit den dortigen Jugendclubs. Seit 2011 studiert sie Szenische Künste an der Universität Hildesheim. Zu ihren Arbeiten gehören Solo-Performances sowie die Zusammenarbeit in verschiedenen Kollektiven, zuletzt war sie mit dem Kollektiv Mifido mit einer Inszenierung beim Schredderfestival zu sehen.

Für VOLL:MILCH war sie bereits mehrfach als Inspizientin und Technikerin tätig.

 

Thorben Sinning (Bühnenbild, Fotos)

 

 

 

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